Tschernobyl

Der GAU von Tschernobyl

Das AKW von Tschernobyl mit Sarkophag

Das AKW von Tschernobyl mit Sarkophag

Am frühen Morgen des 26. April 1986 explodiert im Atomkraftwerk von Tschernobyl der Block Nummer Vier. Es ist der schwerste Unfall in der Geschichte des Atomstroms. Der GAU ist da. Massive Fehler bei der Konstruktion und Bedienung haben zu dieser Katastrophe geführt. Tagelang tobt ein Brand, werden viele Tonnen stark radioaktives Material kilometerhoch in den Himmel geschleudert. Erst drei Tage später erfährt der Westen von der Katastrophe im Atomkraftwerk. Video

Radioaktivität wird verteilt Der Wind verteilt die gefährliche Fracht über halb Weißrussland, über Skandinavien und Mitteleuropa. Riesige Landstriche werden verseucht. Die Sowjetunion schickt in den Wochen und Monaten danach Hunderttausende „Liquidatoren“ zum Aufräumen nach Tschernobyl: zum Löschen, zum Wegräumen der Trümmer und zum raschen Bau einer Betonhülle, des „Sarkophags“. Dieser wird jetzt erneuert, 30 Jahre nach der Katastrophe: Es entsteht eine riesige Schutzhülle aus Stahl, größer als ein Fußballstadion. Die Katastrophe von Tschernobyl ist bis heute nicht vorbei. Viele Liquidatoren haben Krebs bekommen und sind daran bereits gestorben.

Am Unglücksort baut ein französisches Konsortium seit 2012 eine Halle mit tonnenförmigem Dach, die 260 Meter breit, 165 Meter lang und 110 Meter hoch ist – „Neuer sicherer Einschluss“ genannt. Das Bauwerk kostet mehr als zwei Milliarden Euro – dreimal soviel wie geplant. Viele europäische Staaten tragen dazu bei. Die fertige Halle soll auf Schienen 300 Meter weit über den alten Sarkophag aus Beton geschoben werden – und verhindern, dass weiter Radioaktivität in die Umwelt gelangt. Danach muss die Ukraine den Problemmüll darunter beseitigen:150 Tonnen hochradioaktiven Materials, mitsamt der geschmolzenen Brennstäbe. Einen Plan oder ein Endlager dafür hat noch niemand, geschweige denn das Geld.

30 Jahre danach – noch lange nicht vergessen
ZM5B5639Eine Sperrzone, die größer ist als die Region Stuttgart; Hunderte Dörfer in ihr, die verlassen sind oder zerstört wurden; Zigtausende Menschen, die an den Spätfolgen leiden; sowie eine riesige Konstruktion aus Stahl, die von 2017 oder 2018 an den Unglücksreaktor samt seinem längst maroden Sarkophag aus Beton einschließen soll – das ist 30 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl übrig. Bewältigt ist der GAU vom 26. April 1986 damit noch lange nicht.
Wir haben im Unterschied zu vielen Medien die Menschen in den betroffenen Gebieten nicht vergessen.
Wir sind engagiert in der Region (Oblast) Gomel und Landkreis (Rayon Wetka)

Quellen Für diese Zusammenfassung wurden genutzt:
Wikipedia Nuklearkatastrophe von Tschernobyl
http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/tschernobyl-115.html
www.tagesspiegel.de/politik/29-jahre-nach-der-reaktorkatastrophe-tschernobyl-bleibt-gefaehrlich / 11723734.htm
www.tagesschau.de/ausland/tschernobyl-105.html
www.deutschlandfunk.de/sicherer-einschluss-tschernobyl-und-die-neue-huelle-fuer.676.de.html?dram:article_id=314851
www.spiegel.de/wissenschaft/technik/tschernobyl-zweifel-an-sicherheit-trotz-bau-der-schutzhuelle-a-1029924-druck.html

 

Das Leben nach Tschernobyl – lange nach der Katastrophe

Der Reaktorunfall ist 30 Jahre her. Und dennoch sind die Folgen der Katastrophe von Tschernobyl bisher nur teilweise zu überschauen. Oder sie werden verharmlost. Vor allem im Südosten Weißrusslands, nur gut 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt, leben mehr als eine Million Menschen auf radioaktiv verstrahlten Böden.In der Großstadt Gomel und ihrer Region sollte man eigentlich nicht mehr leben. 1986 und danach wurden in dieser Gegend Hunderte Dörfer evakuiert und zerstört.

Viele Menschen sind aber dorthin zurückgekehrt. Sie verdrängen, dass ihre Heimat lebensgefährlich ist – und es noch für Generationen bleiben wird. Geschädigt sind vor allem die ganz Kleinen. Jahrzehnte nach Tschernobyl wird das Ausmaß der gesundheitlichen Katastrophe immer deutlicher. „Bei uns ist kein Kind mehr gesund“, sagen uns die Ärzte in Gomel seit vielen Jahren.

Zweite Generation Heute kommt bereits die zweite Generation der Tschernobyl-Kinder zur Welt. Schon Neugeborene müssen ärztlich behandelt werden. Spätestens als Kleinkinder leiden sie ähnlich wie ihre Mütter vor 20 oder 25 Jahren. Viele Mädchen erkrankten damals – und sie gebären heute schwache und kranke Kinder.

Viele Krankheiten Es gibt zahlreiche Studien aus Russland, Weißrussland und Deutschland darüber, wie sich die Belastung der Menschen durch Radioaktivität in vermehrt auftretenden Krankheiten niederschlägt. Bei Kindern sind dies vor allem Erkrankungen der Atemwege und Verdauungsorgane, Schwächung des Immunsystems, Schilddrüsenkrebs, Leukämie sowie Missbildungen und Genschäden.

 Armut Die wirtschaftliche Situation verschärft die Lage weiter. Armut ist verbreitet. Die Menschen essen radioaktiv belastete Lebensmittel von ihrer Datscha. Dies macht auf Dauer krank. Das staatliche Gesundheitswesen versorgt die Menschen, hat aber das westliche Niveau an vielen Stellen noch nicht erreicht.

 Keine echten Zahlen Die internationale Ärzteorganisation IPPNW hat 2011 kritisiert, dass es noch keine zusammenfassende Studie über die gesundheitlichen Folgen der Tschernobyl-Katastrophe gibt. Die beteiligten Staaten, die Internationale Atomenergiebehörde und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hätten kein Interesse daran, dass echte Daten bekannt werden. So schwanken die Zahlen der Tschernobyl-Opfer von wenigen Dutzend bis zu einer Million.