„Tschernobyl bleibt aktuell – auch angesichts Putins Krieg gegen die Ukraine“- Erklärung des Vorstands der Freunde von Nadeshda in Deutschland e.V.

Angesichts des schrecklichen Kriegs gegen die Ukraine hat der Vorstand der „Freunde von Nadeshda in Deutschland“ e.V, deren Mitglied wir sind, folgende Erklärung abgegeben:
„Seit über 30 Jahren engagieren sich die Mitglieder unseres Vereins für Verständigung und Versöhnung mit den Menschen in Belarus. Die Erinnerung an die von Deutschen während des Zweiten Weltkriegs begangenen Verbrechen und die Solidarität mit den Betroffenen der Tschernobyl-Katastrophe sind dabei eng miteinander verbunden. Die Reaktorexplosion, die sich am 26. April 1986 im AKW Tschernobyl ereignete, erschien damals vielen betroffenen Menschen wie ein neuer Krieg. Bei der Katastrophenbekämpfung riskierten über 400.000 Soldaten als Liquidatoren ihr Leben, über 300.000 Menschen verloren für immer ihre Heimat.
Mit dem Zentrum „Nadeshda“ haben wir gemeinsam mit vielen Partnern einen Ort geschaffen, in dem Kinder und Jugendliche aus den Tschernobyl-Regionen seit 1994 nicht nur Rehabilitation und Erholung erhalten, sondern auch neue, nachhaltige Zukunftsperspektiven in einem Europa ohne Grenzen finden sollen. Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist „Nadeshda“ zudem zu einem gemeinsamen Haus der Begegnung für Menschen aus vielen Ländern geworden. Hierzu gehörten in der Anfangszeit auch gemeinsame Erholungsaufenthalte von Tschernobyl-Kindern aus Belarus, Russland und der Ukraine.
Der Krieg, den Putin seit dem 24. Februar 2022 gegen die Ukraine führt, ist unvereinbar mit den Zielen und Hoffnungen, für die das Kinderzentrum „Nadeshda“ seit seiner Gründung steht. Er beschädigt auch das historische (Selbst-)Bild von Belarus als einer friedliebenden Nation. Denn die russische Armee nutzt belarussisches Gebiet für ihren Angriff. Sie zerstört ukrainische Städte und treibt Millionen Menschen in die Flucht. Sie beschießt und besetzt Atomkraftwerke, darunter das stillgelegte AKW Tschernobyl. Der Krieg könnte im schlimmsten Falle zu einem neuen Supergau führen. Bereits jetzt ist offensichtlich, dass der Krieg den internationalen Klimaschutz um Jahre zurückwirft. Auch aus diesem Grunde betrifft Putins Krieg gegen die Ukraine uns alle.
Gerade in diesen finsteren Zeiten ist es wichtiger denn je Orte der Hoffnung zu erhalten, um Konfrontation und Hass zu überwinden sowie neue Wege für wechselseitige Verständigung, echten Dialog sowie konstruktive, friedliche Konfliktlösungen zu finden. Wir wollen daher unser Engagement für das Kinderzentrum „Nadeshda“ auch unter den jetzigen schwierigen Rahmenbedingungen so lange wie möglich fortsetzen. Wir hoffen auf ein baldiges Ende des Kriegs und darauf, dass zukünftig wieder Kinder aus Belarus, Russland und der Ukraine gemeinsam zur Erholung nach „Nadeshda“ kommen können.“

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